Nikolaus statt Weihnachtsmann

Die Fachstelle Medien der Diözese Rottenburg-Stuttgart verkauft wieder rund 40.000 Schokoladen-Bischöfe.

Während in der Bischofsstadt Rottenburg ausgerechnet am Nikolausmarkt der Weihnachtsmann-Truck von Coca-Cola Station macht, hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart über die Stuttgarter Fachstelle Medien dieser Tage wieder rund 40.000 echte Schokoladen-Nikoläuse an Kindergärten und andere Einrichtungen verkauft. Im achten Jahr bietet die Medienstelle nun schon diesen Service an, um der Übermacht der Weihnachtsmänner in den Ladenregalen ein wenig entgegen zu wirken.

Damals hatten die Mitarbeiter der katholischen Einrichtung auf der Suche nach „echten“ Nikoläusen für die eigenen Kinder entdeckt, dass es solche in den Läden eigentlich nicht mehr gibt. Überall waren nur Weihnachtsmänner zu finden. Die Mitarbeiter der Fachstelle Medien beschlossen, das zu ändern und begannen nach Produzenten für Nikoläuse zu suchen.

Was ist denn der Unterschied zwischen dem Weihnachtsmann und dem Nikolaus? Nun, der Nikolaus ist ein Heiliger der katholischen Kirche, der auf den Bischof Nikolaus zurückgeht. Dieser lebte im 4. Jahrhundert in Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei. Um Bischof Nikolaus ranken sich viele Legenden. Die bekannteste dürfte das „Kornwunder“ sein, mit dem er die Stadt Myra vor einer Hungersnot rettete, oder die Geschichten, wie Nikolaus heimlich arme Menschen und vor allem Kinder beschenkt. Solche Überlieferungen haben dazu geführt, dass am Gedenktag des Heiligen Bischofs, am 6. Dezember, heute noch Kinder beschenkt werden. Früher war der Nikolaustag sogar der eigentliche „Kinderbeschenktag“. Erst durch die Reformation wurde dieser Gedenktag des katholischen Bischofs zurückgedrängt und durch den Weihnachtsfeiertag als Geschenktag und durch das „Christkind“ als Geschenkebringer ersetzt. Der „Weihnachtsmann“ ist eine Gestalt, die vorwiegend aus angelsächsischen – aber auch anderen Traditionen kommt und besonders in Amerika populär wurde. Dort hat er auch in den 1930er Jahren sein typisches Aussehen mit roter Zipfelmütze, pelzbesetztem Mantel, Rauschebart etc. bekommen – und zwar von Zeichnern der Firma Coca-Cola. Dieses Weihnachtsmann-Bild hat sich mittlerweile international durchgesetzt und nicht nur andere Weihnachtsmann-Vorstellungen verdrängt, sondern den Heiligen Bischof Nikolaus gleich mit.

Die Aktion der Fachstelle will keine Anti-Weihnachtsmann-Aktion sein, sondern in erster Linie eine Wiederbelebung der Nikolaus-Tradition. Deshalb gibt es von der Fachstelle auch Flyer, die die Hintergründe erklären und Plakate, die als Erzählplakate beispielsweise in Kindergärten verwendet werden können.

Und ganz in der Tradition des heiligen Mannes unterstützt die Aktion die Benachteiligten. So werden die Schokoladen teilweise aus fairem Handel gekauft, zumindest aber über einen regionalen Hersteller, der Kinderarbeit im Kakaoanbau ablehnt. Verpackt und verschickt werden die 40.000 Hohlfiguren über die Neckartalwerkstätten in Stuttgart, Werkstätten der Caritas für Menschen mit Behinderung – und wenn am Ende ein finanzieller Überschuss bleibt, obwohl die Nikoläuse preislich knapp kalkuliert sind, geht der an Kinderhilfsprojekte der Caritas.

Übrigens: In der Bischofsstadt Rottenburg werden auf dem Nikolausmarkt – trotz Coca-Cola-Truck – auch echte Nikoläuse verkauft – von den Domministranten.

Ein Mitarbeiter der Neckartalwerkstätten

 

 

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