Zwischen Emanzipation und Traditionalismus – Die Bregenzer Festspiele setzen auf Mozart

Bild: Bregenzer Festspiele

Bild: Bregenzer Festspiele

„Er ist ein Prinz!“  – „Mehr noch – er ist ein Mensch!“ So antwortet Sarastro, der Priester des Weiheitstempels, auf die Frage, ob Prinz Tamino wohl die ihm auferlegten Prüfungen bestehen könne. Diese aufklärerische Haltung der Mozartoper ist dem für die Inszenierung verantwortlichen David Pountney ein großes Anliegen. Im Vorwort zur Oper schreibt er: Die Zauberflöte vermittelt ein aufgeklärtes, humanistisches Ideal des Menschseins “.   Sie sei „durchdrungen von den Ideen der Aufklärung, einer Bewegung, die den menschlichen Verstand in den Mittelpunkt rückte und damit die Autorität althergebrachter Mächte wie Adel und Religion in Frage stellte.“ Dies verdeutlicht er in seiner Inszenierung, indem Tamino und Pamina am Ende als normale Menschen in den gleichen Kostümen auftreten, wie der Chor. Weniger auseinandergesetzt hat sich Poutney mit den eher frauenfeindlichen und wenig emanzipierten Passagen der Oper, wenn es etwa heißt. „Ein Weib tut wenig, plaudert viel.“ Oder an späterer Stelle: „Ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten“. Zumindest ist der Inszenierung an diesen Stellen nichts von einer brechenden Ironie anzumerken.

Die „althergebrachten Mächte wie Religion“ werden in der Mozart-Oper übrigens vielfältig benutzt. Allerdings in einem für die damalige Zeit erstaunlichen, für heute fast schon gewöhnlichen Synkretismus – also fröhlichem religiösen Misch-Masch. Nicht nur die zahlreichen Freimaurer-Anspielungen, die auch im Bühnenbild ihren Widerhall finden, sondern auch die ägyptischen Gottheiten Isis und Osiris werden genauso bemüht, wie der persische Priester Zarathustra, dessen italienische Entsprechung sich im Namen Sarastro findet.

Wie immer steht in Bregenz natürlich die Seebühne mit ihren gewaltigen Aufbauten im Vordergrund. Dabei verlässt man sich bei der Zauberflöte aber deutlich mehr auf die Bekanntheit des Stückes und betreibt erheblich weniger bühnenbildnerischen Aufwand als etwa beim Vorgängerstück „André Chénier“. Im Wesentlichen spielt das Stück auf den beiden Hälften des sich immer wieder drehenden Bühnenhügels, der mit teilweise wenig Aufwand in die verschiedenen Orte verwandelt werden soll. Wenige Effekte, wie das Herausfahren der Königin der Nacht während ihrer berühmten Rache-Arie auf einer mehrere Meter hohen Säule, werden dann auch vom Publikum begeistert beklatscht. Auch die Integration des Sees in das Stück ist nicht ganz gelungen, außer verschiedenen Rundfahrten verschiedener Protagonisten auf verschiedenen Fahrzeugen um die Bühne, spielt der See eigentlich keine wirkliche Rolle. Musikalisch spielt das Stück natürlich wie immer auf hohem Niveau und auch die Puppen, die für die drei Damen und die drei Knaben eingesetzt werden sind ein optisch hübscher Einfall. Allein man fragt sich, wo die Sänger sind.

Insgesamt ist aber alleine schon die nächtliche und wunderbar illuminierte Bühne in und vor dem See ein grandioser Blick, der immer wieder fasziniert. Insofern mag es durchaus gerechtfertigt sein, sich in Bregenz ganz auf den großen österreichischen Komponisten zu verlassen, der die Aufführung seiner Oper übrigens nur noch bereits schwer erkrankt erlebte und bereits wenige Monate später starb.

Rainer Steib

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Besprechungen, Uncategorized

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.