Jungs lesen nicht?!

Mädchen lesen von sich aus, Jungen hingegen müssen zum Lesen erst durch andere gebracht werden. Diese Erkenntnis wird von den meisten „Jungsmüttern“ als Aufforderung dazu verstanden, ihren Jungen durch das Heranschaffen der entsprechenden Lektüre zum Lesen zu bringen. Manche haben vielleicht sogar, wie ich selbst, das Glück, dass ihr Junge ganz von selbst gerne und viel liest. Laut Empfehlungen der Stiftung Lesen sind actionreiche Geschichten, die ein klares Problem enthalten, das von der Hauptperson gelöst werden kann, für Jungen besonders ansprechend. Beliebt sind auch Bücher, in denen das eigene Hobby eine Rolle spielt z.B. eine Geschichte rund um Fußball.

0-büchereienSo weit so gut. Doch die Beschaffung von Lesestoff, der auch ankommt, ist oft nicht so einfach. Ein Blick in die Buchhandlungen zeigt, Lesen ist heutzutage, genau wie Spielen, eine Tätigkeit die streng nach Geschlechtern getrennt praktiziert wird. So wie jede Spielwarenabteilung und jedes Bekleidungsgeschäft für Kinder, sind auch die Buchhandlungen in einen überwiegend rosa-glitzernden Bereich und einen deutlich dunkleren Bereich unterteilt. Ein weiterer Unterschied, der auffällt ist, dass der dunkle Bereich für Jungen in einer Buchhandlung meistens deutlich kleiner ausfällt, als der Mädchenbereich. Das mag an wirtschaftlichen Überlegungen liegen, da Jungen weniger lesen lohnen sich Bücher für sie weniger, was durchaus verständlich ist.

Diese äußerlichen Abgrenzungen sind aber wenig hilfreich bei der Lösung des Problems, Bücher zu finden, die die Leseunlust von Jungen gar nicht erst entstehen lassen. Zumal kein Junge heutzutage ein Buch auch nur in die Hand nehmen würde, dessen Einband einen Schimmer von rosa zeigt. In vielen Fällen schafft die örtliche Bücherei mit kompetenter Beratung Abhilfe und auch in Buchhandlungen findet man Berater, die einem nicht nur das übliche „Die drei ???“-Buch oder andere Klassiker in die Hand drücken wollen. Hat man dieses Glück nicht, bleibt noch die Recherche im Internet. Hier gibt es eine Vielzahl von Seiten auf denen man Buchempfehlungen findet.

Nicht alle sind empfehlenswert, deshalb hier meine persönliche Top 3:

boysandbooks.de

Diese Seite wurde entwickelt und ins Leben gerufen von Prof. Dr. Christine Garbe, sie forscht und lehrt seit Jahrzehnten zum Thema „Gender und Lesen“ an der Universität Köln. Auf der Seite wird neben Leseempfehlungen speziell für Jungen, auch der Forschungsstand zu diesem Thema dargestellt und Hinweise und Anregungen zur Leseförderung in Schule und Bücherei gegeben. Weshalb die Seite auch für Pädagogen sehr interessant ist. Verabschiedet wird sich dabei von einem erwachsenen Blick auf Kinder und Jugendliteratur, der oft den literarischen Anspruch über den Spaß am Lesen stellt. Deshalb findet man hier Tipps, die auch ankommen bei der Zielgruppe. Die Empfehlungskriterien werden ausführlich dargestellt. Empfehlungen unter: Buchempfehlungen nach Alter und Genre geordnet.

buecherkinder.de

Eine private Initiative, bei der eine Kinderjury an den Empfehlungen mitarbeitet. Hier gibt es Buchempfehlungen für jedes Alter und Geschlecht, die Buchempfehlungen für Jungen lassen sich aber herausfiltern. Einziger Kritikpunkt ist die direkte Verlinkung der Seite mit Amazon, aber es ist ja niemand gezwungen dort zu bestellen! Kleiner Such-Tipp: Jungenbücher sind schneller zu finden indem auf die Altersgruppe geklickt wird, dann erscheinen rechts die Kategorien, hier für Jungs wählen.

stiftunglesen.de

Zu dieser Initiative muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden, steht sie doch in Deutschland seit 1988 für Leseförderung schlechthin. Auch hier können die Empfehlungen für Jungenbücher herausgefiltert werden: unter Service/ Leseempfehlungen, dann über Lese- und Medienempfehlungen zur Suche, hier einfach die Altersgruppe und Kategorie für Jungen wählen.

Andrea Hettler

Bildquelle [ Adam Radosavljevic – Fotolia.com]

 

 

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